Grim Dawn auf der LAN: Ein Koop-Projekt für lange Abende
LAN-Übersicht
Version 1.0 am 05.04.2025
Version 2.0 am 19.08.2026
| Spielname | Grim Dawn |
|---|---|
| Tastensport-Empfehlung | Starker Koop-Titel für eine feste kleine Gruppe, die sich mehrere Stunden gemeinsam durch Cairn arbeiten möchte. |
| Kurzfazit | Grim Dawn verbindet echten LAN-Modus, geringe Hardwareanforderungen und langfristige Koop-Progression. Unterschiedliche Erfahrungsstände lassen sich innerhalb der Gruppe gut auffangen, während die Vierergrenze, die offene Spielzeit und die praktisch fehlende Turnierstruktur die allgemeine LAN-Tauglichkeit begrenzen. |
| Geeignete Spielerzahl | Bis zu 4 menschliche Spieler gleichzeitig |
| Empfohlene Gruppengröße | 2–4 Spieler, idealerweise als feste Gruppe mit gemeinsamem oder vergleichbarem Charakterfortschritt |
| Spielzeit | Mehrstündige Sessions; besonders geeignet als längerer LAN-Block oder fortlaufendes Koop-Projekt |
| LAN-Aufwand | Niedrig; echter LAN-Modus, Versionen, Erweiterungen und Mods sollten vorher angeglichen werden |
| Internetanforderungen | GOG-LAN kann ohne GOG Galaxy und ohne dauerhafte Internetverbindung genutzt werden; Installation und Updates vorher erledigen |
| Wettbewerbseignung | Gering; PvP ist vorhanden, eine integrierte Turnierstruktur fehlt jedoch |
| Wiederspielwert | Hoch durch Builds, Loot, unterschiedliche Meisterschaftskombinationen und Mods |
| Tastenresultat | 6,00 von 10 Tasten |
| Zielgruppe | Koop-orientierte LAN-Gruppen und ARPG-Fans, die langfristige Charakterentwicklung einem klassischen Rundenspiel vorziehen |
Tastenresultat
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Spielerfahrung: 7,25 von 10 Tasten
- Umgang mit Skillunterschieden: 7 von 10
- Teamplay: 7 von 10
- Lernkurve: 6 von 10
- Spaßfaktor: 9 von 10
Voraussetzungen und Funktionsfähigkeit: 8,00 von 10 Tasten
- Technische Anforderung: 10 von 10
- LAN-Setup: 9 von 10
- Performance: 8 von 10
- Preis: 5 von 10
Wettbewerbstauglichkeit: 2,75 von 10 Tasten
- Turniermodus: 1 von 10
- Spielerzahl: 3 von 10
- Gruppenflexibilität: 5 von 10
- Zeit: 2 von 10
Gesamtwertung: 6,00 von 10 Tasten
Fazit: Grim Dawn ist ein sehr guter LAN-Titel für eine kleine Gruppe, die sich nicht nach zwanzig Minuten wieder dem nächsten Spiel widmen möchte. Der echte LAN-Modus, geringe Hardwareanforderungen und die Möglichkeit, mit der GOG-Fassung ohne dauerhafte Internetverbindung lokal zu spielen, machen die technische Seite angenehm unkompliziert. Seine eigentliche Stärke entwickelt das Spiel aber über die gemeinsame Progression: Charaktere wachsen, Builds beginnen sich zu ergänzen und seltene Beute wandert durch die Gruppe. Unterschiedliche Erfahrungsstände lassen sich dabei gut auffangen, weil Veteranen Wissen weitergeben, schwierigere Aufgaben übernehmen und ihre Builds auf die Gruppe abstimmen können. Vollständig verschwindet der Skillgap trotzdem nicht, denn Charakterfortschritt, Ausrüstung und Buildwissen haben erheblichen Einfluss darauf, wie sinnvoll ein Spieler beitragen kann. Auch die Gruppengröße setzt eine klare Grenze: Zwei, drei oder vier Spieler funktionieren, der fünfte braucht bereits eine andere Partie. Als klassisches Turnierspiel taugt Grim Dawn deshalb kaum. Als gemeinsames Koop-Projekt kann es dagegen problemlos einen langen Abend oder gleich mehrere LANs tragen. Spätestens wenn nach einem Bosskampf ein brauchbares Legendary fällt, beginnt ohnehin die nächste wichtige Phase des Spiels: die sachliche und vollkommen interessenfreie Diskussion darüber, welcher Build es wirklich am dringendsten benötigt.
Spielbeschreibung
Grim Dawn ist ein 2016 veröffentlichtes Action-Rollenspiel von Crate Entertainment. Schauplatz ist Cairn, eine düstere Welt, die von Aetherials und Chthoniern verwüstet wurde. Schnelle Kämpfe, umfangreiche Beute und eine sehr freie Charakterentwicklung bilden das Zentrum des Spiels. Aus zwei Meisterschaften entsteht eine individuelle Klassenkombination, die sich über Fähigkeiten, Devotions und Ausrüstung weiter spezialisiert.
Für eine LAN ist vor allem der kooperative Mehrspieler interessant. Bis zu vier Spieler können gemeinsam antreten, was Grim Dawn klar von Titeln für große Teilnehmerfelder unterscheidet. Dafür eignet sich das Spiel hervorragend für eine feste kleine Gruppe, die über mehrere Stunden gemeinsam Fortschritt macht.
Die Stärke entsteht aus diesem gemeinsamen Aufbau. Charaktere entwickeln sich parallel, Builds beginnen sich zu ergänzen, neue Gegenstände werden verglichen und Bosskämpfe bekommen mit zunehmendem Fortschritt eine andere Dynamik. Ein Spieler bringt vielleicht Debuffs mit, ein anderer hohe Defensive, während der nächste dafür sorgt, dass möglichst wenig lange genug lebt, um daraus ein taktisches Problem zu machen.
Grim Dawn ist deshalb kein typischer Kandidat für einen spontanen 20-Minuten-Slot. Wer sich darauf einlässt, bekommt eher ein langfristiges Koop-Projekt, bei dem die Diskussion über einen neu gefundenen Gegenstand gelegentlich mehr Zeit beansprucht als der Kampf, in dem er überhaupt gefallen ist.
Multiplayer-Setup im LAN-Modus
Grim Dawn besitzt einen echten LAN-Modus. Mit der GOG-Version ist für den LAN-Multiplayer weder GOG Galaxy noch eine dauerhafte Internetverbindung erforderlich. Sobald das Spiel installiert und auf allen Rechnern auf demselben Stand ist, kann die eigentliche Sitzung lokal stattfinden.
Trotzdem sollte die Vorbereitung nicht erst am Veranstaltungstag beginnen. Alle Teilnehmer benötigen dieselbe Spielversion und, falls genutzt, dieselben Erweiterungen und Mods. Crate Entertainment unterstützt Grim Dawn offiziell unter Windows. Linux über Proton oder Wine kann praktisch funktionieren, stellt aber keine offiziell zugesicherte Plattformbasis dar und sollte mit der konkret vorgesehenen Konfiguration vorab getestet werden.
Grundsätzliche LAN-Voraussetzungen
Für die eigentliche LAN genügt ein gemeinsames lokales Netzwerk über Switch und Ethernet. Ein bestimmtes privates IP-Schema ist dabei weniger wichtig als die einfache Frage, ob sich alle Rechner gegenseitig erreichen können und Firewall-Regeln Grim Dawn nicht blockieren.
Versionsgleichheit ist wichtiger als exotische Netzwerktechnik. Patches, Erweiterungen und Mods gehören deshalb vor Beginn auf alle Rechner und sollten zumindest einmal gemeinsam gestartet werden.
Bei vier Spielern fällt ein einzelner abweichender Client schließlich nicht als kleine Randerscheinung auf. Er entspricht exakt einem Viertel der gesamten Gruppe.
Das Game-Setup
Ein Spieler hostet die Mehrspielerpartie, die übrigen treten über den Multiplayer-Bereich bei. Grim Dawn unterstützt insgesamt bis zu vier Teilnehmer, also den Host plus drei Mitspieler. Im Multiplayer werden die Gegner stärker und widerstandsfähiger, gleichzeitig steigt die Beutemenge.
Der Host kann außerdem PvP aktivieren. Spieler, die nicht derselben Party angehören, können sich dann gegenseitig angreifen. Für die typische LAN-Runde ist das allerdings eher Zusatz als Zentrum des Spiels.
Interessanter ist die Beuteverteilung. Grim Dawn bietet zwei offizielle Modi: Free-for-All und Instanced Loot. Bei Instanced Loot erhält jeder Spieler im Wesentlichen seine eigene Beute; dieser Modus ist standardmäßig aktiviert. Free-for-All legt Drops dagegen offen für alle aus.
Für eine feste Gruppe ist Instanced Loot meist die stressfreiere Wahl. Jeder kann sich zunächst um seinen eigenen Loot kümmern, während passende Gegenstände anschließend immer noch weitergegeben werden können. Free-for-All bietet dagegen die klassischere ARPG-Erfahrung, bei der ein besonders interessanter Gegenstand auf dem Boden nicht nur den Charakterbuild, sondern gelegentlich auch die Lautstärke am Tisch verändert.
Die entscheidende organisatorische Frage ist bei Grim Dawn ohnehin weniger die Netzwerktopologie als die Gruppe selbst. Wer hostet dauerhaft, mit welchen Charakteren wird gespielt und bleibt die Besetzung über die Session hinweg stabil? Grim Dawn lebt von gemeinsamem Fortschritt, weshalb eine feste Gruppe wesentlich besser funktioniert als permanentes Rein- und Rauswechseln.
Technik und Performance im LAN-Modus
Grim Dawn ist technisch ausgesprochen genügsam. Die offiziellen Mindestanforderungen nennen einen x86-kompatiblen Prozessor ab 2,3 GHz, 2 GB RAM, eine Grafikkarte auf dem Niveau einer GeForce 6800 beziehungsweise Radeon X800, DirectX 9.0c und 5 GB freien Speicherplatz. Für das Hosten einer Mehrspielerpartie werden mindestens 4 GB Arbeitsspeicher angegeben.
Empfohlen werden ein Prozessor ab 3,2 GHz, 6 GB RAM, eine GeForce-500- beziehungsweise Radeon-6000-Serie oder besser sowie DirectX 11.
Für heutige LAN-Hardware liegen diese Anforderungen entsprechend niedrig. Auch ältere Rechner können sinnvoll eingebunden werden, solange das restliche System stabil läuft. Ein kurzer Praxistest bleibt trotzdem sinnvoll, insbesondere wenn Mods, weit entwickelte Charaktere oder Builds mit vielen Effekten verwendet werden.
Die Hardware darf also ruhig einige Jahre auf dem Buckel haben. Etwas interessanter wird die Sache erst, wenn vier Charaktere gleichzeitig beschließen, Cairn mit Partikeleffekten neu einzurichten.
Der Host und Netzwerkstabilität
Die Mehrspielerpartie wird von einem Spieler gehostet. Einen separaten Dedicated-Server-Modus weist Grim Dawn nicht als reguläre Option aus.
Der Host-PC sollte deshalb zuverlässig laufen und während der gemeinsamen Session verfügbar bleiben. Eine kabelgebundene Verbindung ist sinnvoll, unnötige Hintergrundlast sollte vermieden werden und die konkrete Vierer-Konfiguration gehört idealerweise einmal vorab getestet.
Mehr braucht Grim Dawn technisch nicht. Gerade im Vergleich mit vielen modernen Online-Titeln ist das angenehm überschaubar.
Grafik und Sound
Grim Dawn lebt optisch von seiner schmutzigen Endzeit-Fantasy. Zerfallene Siedlungen, Ruinen, Sümpfe und dämonisch veränderte Landschaften geben Cairn eine klare eigene Handschrift. Das Sounddesign ergänzt diese Stimmung mit zurückhaltender Musik, kräftigen Kampfgeräuschen und gut unterscheidbaren Fähigkeiten.
Auf einer LAN funktioniert das besonders gut, weil die Gruppe wichtige Momente gleichzeitig erlebt. Wenn ein Boss endlich fällt, ein seltener Gegenstand auf dem Boden liegt oder ein Kampf im letzten Moment noch gedreht wird, entsteht sofort Gesprächsstoff am Tisch.
Grafik und Lautstärke können individuell angepasst werden, wodurch unterschiedlich starke Rechner keine gemeinsame Darstellungsqualität erzwingen. Bei nur vier Spielern muss außerdem nicht jede Kommunikation durch ein Headset laufen; viele Absprachen funktionieren ohnehin schneller direkt im Raum.
Gameplay im LAN-Modus
Grim Dawn ist im Multiplayer auf bis zu vier Spieler ausgelegt. Das Kernspiel bleibt ein kooperatives Action-RPG: Die Gruppe erkundet Cairn, kämpft, erledigt Quests, sammelt Beute und entwickelt ihre Charaktere weiter.
Die Stärke des LAN-Modus entsteht nicht aus speziellen LAN-Regeln. Sie liegt darin, dass ein ohnehin starkes Koop-System lokal gespielt werden kann und die Teilnehmer ihre gemeinsame Progression direkt miteinander erleben.
Die Kampagne und zahlreiche optionale Gebiete bieten dafür viel Material. Schwierige Dungeons und Bossbegegnungen belohnen abgestimmte Builds und eine sinnvolle Rollenverteilung, während PvP zwar vorhanden ist, aber eher als zusätzliche Möglichkeit neben dem eigentlichen Koop-Spiel steht.
Spielerzahl und Gruppenflexibilität
Grim Dawn unterstützt bis zu vier menschliche Spieler gleichzeitig. Für eine LAN ist das eine kleine Kapazität, auch wenn die Vierergruppe hervorragend zum eigentlichen Spieldesign passt.
Innerhalb dieser Grenze ist das Spiel deutlich flexibler. Zwei oder drei Teilnehmer können ebenso gemeinsam durch Cairn ziehen, weil weder symmetrische Teams noch eine zwingend vollständig besetzte Rollenstruktur notwendig sind. Mit weniger Spielern müssen Aufgaben und Build-Synergien anders verteilt werden, das grundlegende Koop-Format bleibt aber erhalten.
Die Grenze liegt entsprechend klar beim fünften Teilnehmer. Er kann nicht zusätzlich in dieselbe Partie integriert werden, sodass größere LAN-Gruppen mehrere Sessions bilden müssten.
Hinzu kommt eine Besonderheit, die weniger die reine Spielerzahl als die Qualität der Gruppe betrifft: Grim Dawn lebt von gemeinsamer Progression. Ein regelmäßiger Wechsel zwischen Teilnehmern mit völlig unterschiedlichen Charakterständen funktioniert deshalb schlechter als eine feste Gruppe, die gemeinsam wächst.
Damit besitzt Grim Dawn eine niedrige maximale Spielerzahl, aber innerhalb seiner kleinen Crew eine ordentliche Flexibilität. Die vier Plätze müssen nicht zwingend vollständig besetzt sein; einen fünften Stuhl bekommt Cairn dadurch allerdings trotzdem nicht.
Balancing und Umgang mit Skillunterschieden
Die Gegner skalieren im Multiplayer mit der Spielerzahl. Eine volle Vierergruppe kann die Welt dadurch nicht allein aufgrund zusätzlicher Feuerkraft überrollen. Die größere Herausforderung für gemischte LAN-Gruppen entsteht allerdings durch die Charaktere selbst.
Level, Ausrüstung, Devotions und Build-Qualität können weit auseinanderliegen. Ein gemeinsamer Start oder zumindest ein vergleichbarer Fortschrittsbereich ist deshalb sinnvoll. Ein Veteran erkennt möglicherweise sofort, welche Resistenzen fehlen, welche Devotion zum Build passt oder wo ein bestimmter Gegenstand sinnvoll eingesetzt werden kann. Ein Neuling sieht zunächst eine enorme Menge an Möglichkeiten und muss herausfinden, welche davon tatsächlich zusammenpassen.
Im Koop lässt sich dieser Abstand deutlich besser auffangen als in einem direkten Wettbewerb. Erfahrene Spieler können Wissen weitergeben, schwierigere Aufgaben übernehmen und ihre eigenen Builds so ausrichten, dass die Gruppe insgesamt stabiler funktioniert. Defensive Auren, Debuffs, Crowd Control und hoher Einzelschaden ermöglichen unterschiedliche Aufgaben, ohne dass Grim Dawn eine starre Rollenverteilung erzwingt.
Das funktioniert gut, hat aber Grenzen. Ein deutlich zurückliegender Charakter erhält nicht automatisch die fehlenden Level, und ein schlechter Build wird nicht allein dadurch gut, dass ein Veteran danebensteht. Wer sehr unterschiedliche Erfahrungsstände zusammenbringen möchte, sollte deshalb nicht nur die Spieler, sondern auch deren Charakterfortschritt berücksichtigen.
Grim Dawn kann Skillunterschiede innerhalb einer kooperativen Gruppe gut auffangen. Es kann sie nicht bedeutungslos machen.
Und Unterstützung sollte irgendwann auch Unterstützung bleiben. Ein zehnminütiger Vortrag über Devotion-Routen nach jedem Level-up zählt schließlich nur bedingt als Crowd Control.
Erfahrung und Atmosphäre im LAN-Modus
Grim Dawn trägt eine LAN anders als ein Shooter oder Rennspiel. Es gibt keine ständig wechselnde Rangliste und keinen Siegerbildschirm alle fünfzehn Minuten. Die Atmosphäre wächst stattdessen über gemeinsame Wege durch Cairn, neue Skillkombinationen, bessere Ausrüstung und Bosskämpfe, bei denen die Charaktere zunehmend besser ineinandergreifen.
Das passt hervorragend zu Gruppen, die mehrere Stunden zusammenspielen möchten. Wer dagegen ständig zwischen verschiedenen Titeln wechselt, nutzt einen großen Teil der Stärke von Grim Dawn gar nicht aus.
Das Spiel belohnt Bindung an den eigenen Charakter und an die Gruppe. Nach einigen Stunden entsteht eine gemeinsame Entwicklung: Man weiß, welche Stärken die anderen Builds besitzen, welche Ausrüstung noch gesucht wird und welcher Spieler bei einem bestimmten Boss inzwischen regelmäßig eine ganz bestimmte Aufgabe übernimmt.
Kommunikation und Teamwork
Direkte Kommunikation ist auf einer LAN ein klarer Vorteil. Wege, Zielprioritäten und Build-Synergien lassen sich schnell über den Tisch abstimmen, ohne dass dafür eine separate Voice-Struktur notwendig wäre.
Gerade wenn mehrere Gegnergruppen gleichzeitig zusammenkommen oder ein Boss überraschend Druck macht, entsteht daraus ein unmittelbares Koop-Gefühl. Das Dual-Mastery-System ermöglicht Rollen, ohne Grim Dawn in ein starres Tank-Heiler-DD-Schema zu zwingen. Defensive Auren, Debuffs, Crowd Control und hoher Einzelschaden können sinnvoll kombiniert werden, sodass vier Charaktere im selben Kampf unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Eine formale Teamorganisation braucht es dafür kaum. Vier passende Spieler, dieselbe Spielversion und ein abgestimmter Modstand reichen in der Regel aus; der Rest entwickelt sich während der Session.
Zumindest bis jemand ankündigt, er ziehe „nur kurz die Gruppe da vorne“.
Danach übernimmt Grim Dawn für ungefähr dreißig Sekunden die Organisation.
Spielfluss und Dynamik
Der Spielfluss ist deutlich langfristiger als bei typischen LAN-Rundenspielen. Charakterentwicklung, Quests und Loot erzeugen einen kontinuierlichen Fortschrittsbogen, der sich nicht in sauber getrennte 15-Minuten-Matches zerlegen lässt.
Eine Session kann problemlos mehrere Stunden dauern, ohne dass ein natürlicher Turnier-Rundenplan entsteht. Gerade das macht Grim Dawn als festen Koop-Block attraktiv. Nach einem Bosskampf geht es weiter zur nächsten Quest, unterwegs fällt ein interessanter Gegenstand und plötzlich beginnt eine Diskussion darüber, ob jemand seinen Build umbauen sollte. Anschließend möchte man nur noch schnell den nächsten Rift erreichen, weil es ohnehin gerade gut läuft.
So entsteht ein natürlicher Langzeitfluss, bei dem die Gruppe selten einen klaren Moment bekommt, an dem sie zwingend aufhören müsste. Grim Dawn besitzt damit denselben Zeitmesser wie viele gute ARPGs: „Wir machen nur noch die Quest fertig“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass in absehbarer Zeit jemand den Desktop sehen wird.
Spaßfaktor
Der Spaßfaktor ist hoch, wenn die Gruppe genau das sucht, was Grim Dawn anbietet: gemeinsames Hack’n’Slay mit langfristigem Charakterbau.
Seltene Drops werden herumgezeigt, neue Skillideen diskutiert und schwierige Gegner gemeinsam zerlegt. Gerade diese kleinen sozialen Momente funktionieren auf einer LAN besonders gut, weil jede Verbesserung und jeder Fund unmittelbar Teil der Gruppendiskussion wird.
Weniger geeignet ist Grim Dawn für Teilnehmer, die spontan für eine einzelne kurze Runde einsteigen möchten. Vier Plätze sind schnell besetzt, Charakterfortschritt zählt und die Mechaniken entfalten ihren Reiz deutlich stärker über mehrere Stunden.
Als fest eingeplanter Koop-Block kann daraus dafür ein Spiel werden, zu dem dieselbe Gruppe auf der nächsten LAN wieder zurückkehrt. Man startet nicht von vorn, sondern nimmt genau dort wieder auf, wo die gemeinsame Progression aufgehört hat.
Irgendwann geht es längst nicht mehr darum, ob man Grim Dawn heute noch spielt, sondern nur noch darum, welcher Boss endlich den Gegenstand fallen lässt, auf den seit zwei LANs gewartet wird.
Zusätzliche Features im LAN-Modus – Mods
Grim Dawn besitzt offizielle Modding-Werkzeuge und eine aktive Modding-Szene. Bekannte Projekte wie Dawn of Masteries oder Grim Quest verändern beziehungsweise erweitern Meisterschaften und Spielinhalte deutlich und können den Wiederspielwert für erfahrene Gruppen erheblich erhöhen.
Mit Mods steigt allerdings auch der Organisationsaufwand. Alle Teilnehmer sollten exakt dieselbe Mod- und Versionsbasis verwenden, weshalb das komplette Paket bereits vor der Veranstaltung verteilt und getestet werden sollte.
The Crucible ist dabei kein Community-Mod, sondern ein offizieller kostenpflichtiger DLC von Crate Entertainment. Für eine erste LAN ist das unveränderte Hauptspiel die einfachste Grundlage. Mods werden besonders dann interessant, wenn die Gruppe Grim Dawn bereits gut kennt und gezielt neue Meisterschaften oder Inhalte ausprobieren möchte.
Was man besser vermeidet, ist eine spontane Änderung der Modliste fünf Minuten vor Spielbeginn. Das wäre zwar durchaus traditionsreiche LAN-Kultur, interpretiert den Begriff „Vorbereitung“ aber etwas großzügig.
Turnier-Modi und LAN-Events
Grim Dawn ist kein klassisches Turnierspiel. Es gibt keinen integrierten Turnierbaum und kein automatisches LAN-Score-System. PvP kann beim Hosten aktiviert werden, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf kooperativer Progression.
Wer trotzdem Wettbewerb möchte, muss eigene Regeln entwickeln. Denkbar sind beispielsweise Zeitrennen zu einem vorher festgelegten Ziel, identische Startbedingungen oder selbst definierte Boss-Challenges. Solche Formate können mit einer erfahrenen Gruppe funktionieren, sind aber eher ein Rahmenprogramm als ein belastbares Turniersystem für viele Teilnehmer. Unterschiedliche Charakterstände, Ausrüstung und Buildwissen erschweren faire Vergleichsbedingungen erheblich.
Für eine LAN ist die Konsequenz deshalb relativ klar: Grim Dawn sollte nicht zwanghaft in einen klassischen Turnier-Slot gepresst werden. Seine eigentliche Stärke liegt darin, vier passende Spieler für mehrere Stunden gemeinsam durch Cairn ziehen zu lassen.
Nicht jedes Spiel muss einen Sieger produzieren, der anschließend in einem Bracket eine Runde weiterkommt. Manchmal reicht es völlig, wenn vier Leute gemeinsam einen Boss besiegen und danach zwanzig Minuten darüber diskutieren, wer das Legendary wirklich besser gebrauchen kann.
Unser Verein Tastensport verfügt über Erfahrung mit der Durchführung von Turnieren und der Verwaltung von Ergebnissen bei LAN-Events. Diese spezielle Expertise steht exklusiv unseren Sponsoren zur Verfügung.
Grim Dawn ist damit kein universeller LAN-Titel für einen ganzen Saal, sondern ein ausgesprochen gutes Spiel für die richtige kleine Gruppe. Der echte LAN-Modus macht die technische Seite angenehm unkompliziert, die Koop-Struktur kann unterschiedliche Erfahrungsstände gut auffangen und die langfristige Progression sorgt dafür, dass aus einer einzelnen Session schnell ein gemeinsames Projekt wird.
Vier Spieler können darin sehr lange verschwinden.
Der fünfte braucht allerdings eine eigene Gruppe.
Besten Dank!
Autor: MooKo


