Overcooked mit Faxen
Die Küche brannte.
Nicht im übertragenen Sinne, sondern so, dass jeder jederzeit damit rechnete, dass gleich wirklich etwas explodiert. Drei Pfannen auf Herd eins, zwei Suppen auf Herd zwei, Reis auf Herd drei, der schon wieder schwarz wurde, obwohl ihn vor zehn Sekunden noch jemand angesetzt hatte. Der Ofen piepte, der Spüler piepte, der Timer piepte, und der Bestellmonitor blinkte so schnell, dass niemand mehr wusste, ob das noch Bestellungen waren oder schon Drohungen.
Am Pass stand Faxen.
Selbsternannter Küchenchef.
Niemand hatte ihn ernannt, niemand hatte ihn gefragt, aber er hatte einmal das Tutorial geschafft und seitdem war klar, dass hier nur noch auf Sterne gespielt wurde.
„WO SIND MEINE TOMATEN?!“, brüllte Faxen mit der Lautstärke eines startenden Kampfjets.
„ICH HAB TOMATEN!“, rief Koch 1, rannte mit einer Pfanne gegen den Kühlschrank, ließ die Tomaten fallen, hob eine Gurke auf und rannte weiter, ohne es zu merken.
Faxen drehte sich um, sah die Gurke, sah wieder zum Monitor und verlor sichtbar den letzten Rest Contenance.
„DAS IST EINE GURKE!“, schrie Faxen.
„WIR MACHEN KEINEN GURKENBURGER! DAS IST NICHT DAS DLC!“
Der Bestellmonitor blinkte rot.
Noch eine Bestellung.
Noch eine.
Noch eine.
Noch eine.
Apfelschorle trat neben den Pass, mit der Stimme eines Mannes, der wusste, dass gleich niemand mehr vernünftig bleibt.
„Faxen, ruhig bleiben. Eine Order nach der anderen.“
Faxen reagierte nicht.
„RUHIG IST HIER GAR NICHTS!“, brüllte Faxen.
„WER HAT DEN REIS GEMACHT?!“
„ICH!“, rief Koch 2.
„DER IST ROH!“, schrie Faxen.
„DER WAR FERTIG!“, rief Koch 2.
„DER IST SCHWARZ!“, brüllte Faxen.
„DANN IST ER EXTRA FERTIG!“, rief Koch 2.
Apfelschorle, jetzt lauter.
„Faxen, du musst nicht schreien, wir verlieren sonst komplett den Überblick.“
Faxen schlug mit der Pfanne auf den Tisch, zwei Teller rutschten runter, einer landete im Reis.
„ICH HAB DEN ÜBERBLICK! IHR HABT KEINEN ÜBERBLICK!
WO SIND MEINE TELLER?!“
„IM SPÜLER!“, rief Koch 1.
„WARUM SIND DIE IM SPÜLER?!“, schrie Faxen.
„WEIL SIE DRECKIG SIND!“, rief Koch 1.
„WIR HABEN KEINE ZEIT FÜR DRECKIG! WIR HABEN ZEIT FÜR STERNE!“
Der Bestellmonitor blinkte jetzt dauerhaft.
„SALAT! BURGER! SUPPE! REIS!“, schrie Faxen.
„WER SCHNEIDET HIER ÜBERHAUPT?!“
„ICH SCHNEIDE“, sagte Koch 1 und hackte weiter dieselbe Zwiebel.
Faxen starrte ihn an.
„DU SCHNEIDEST SEIT FÜNF MINUTEN DIE GLEICHE ZWIEBEL!“
„DIE IST GROSS“, sagte Koch 1.
Apfelschorle trat wieder nach vorne.
„Faxen, ernsthaft. Runterkommen. Wir schaffen sonst keine einzige Bestellung.“
Faxen nahm einen fertigen Burger, stellte ihn auf den Boden, nahm eine Suppe, stellte sie in den Kühlschrank, öffnete den Ofen, ohne reinzuschauen, und zeigte auf den Monitor.
„WIR SIND NICHT HINTERHER, IHR SEID HINTERHER!
ICH BRAUCHE BURGER!
ICH BRAUCHE REIS!
ICH BRAUCHE JEMANDEN, DER DEN SPÜLER BENUTZT WIE EIN ERWACHSENER!“
Plötzlich fing ein Topf an zu brennen.
„FEUER!“, rief Koch 2.
„WO IST DER LÖSCHER?!“, rief Koch 1.
„NEBEN DEM SPÜLER!“, rief Apfelschorle.
Koch 2 griff daneben und hielt einen Teller hoch.
„DAS IST EIN TELLER!“, schrie Koch 2.
„DANN LÖSCH MIT DEM TELLER!“, brüllte Faxen.
Apfelschorle jetzt deutlich genervt.
„FAXEN! Hör auf zu schreien, wir kriegen das so nicht hin!“
Faxen sprang auf die Arbeitsplatte, rutschte auf einem Teller aus, landete im Reis, stand wieder auf und hielt die Pfanne wie ein General sein Schwert.
„ICH HÖRE ERST AUF ZU SCHREIEN, WENN WIR DREI STERNE HABEN!
ICH WILL GOLD!
ICH WILL PERFEKT!
ICH WILL, DASS DER BESTELLMONITOR ANGST VOR UNS HAT!“
Der Bildschirm blinkte schneller.
Der Reis brannte wieder.
Der Ofen piepte ohne Pause.
Der Spüler war voll.
Die Teller waren weg.
Der Salat lag auf dem Boden.
Apfelschorle schloss kurz die Augen.
„Faxen… bitte… nur eine Bestellung… eine…“
Faxen zeigte mit der Pfanne durch die ganze Küche.
„NIEMAND GEHT HIER RAUS, BEVOR DIESES LEVEL FERTIG IST!“
Ein Burger fiel.
Eine Suppe lief über.
Der Monitor wurde komplett rot.
Der Timer lief ab.
Und Koch 1 hielt einen fertigen Teller hoch.
„Wohin damit?“
Alle schauten auf den Bildschirm.
Zeit abgelaufen.
Faxen:
„…nochmal.“

