Grau(enhaft) – Apfelschorle’s Abstieg
Apfelschorle dominiert. Punkt. Ausrufezeichen. Fanfaren. Konfetti. Engelschöre mit leichtem Apfelaroma. In CS war er nicht zu stoppen, nicht zu bremsen, nicht zu verstehen, eine Naturgewalt mit Maus und Tastatur. Er gewann kontinuierlich, zuverlässig, gnadenlos, selbstbewusst, schön anzusehen und völlig übertrieben. Sein Impact war so hoch, dass Meteorologen ihn als atmosphärische Störung eingestuft hätten. Platz 1 nach Turniergame 1. Natürlich. Was sonst.
Dann Men of War Assault Squad 2. Hier verwandelte sich Apfelschorle in einen geduldigen Schachgroßmeister mit Sturmgewehr. Er wartete, er lauerte, er positionierte sich wie ein Feng Shui Meister auf Koffein. Gegner verschwanden wie Socken im Trockner. Weiterhin Platz 1 in der Gesamtwertung. Sein Grinsen war grenzenlos, episch, beinahe strafbar. Doch seine Schuhe begannen sich gräulich zu färben. Ein böses Omen? Ein Fluch? Eine Prophezeiung? Wahrscheinlich nicht, es war einfach nur unfassbar dreckig in der LAN Lokalität.
Rocket League betritt die Bühne. Die Crowd tobt. Apfelschorle hebt ab. Getragen von den ehrwürdigen Granden ErpelHaze und Thrillhouse flog er über das Feld wie ein kohlensäurehaltiger Ikarus. Gute Spiele. Solide Plays. Sogar Tore. Richtige Tore. Mit Absicht. Weiterhin Platz 1. Weiterhin Grinsen. Doch nun färbte sich seine Hose grau. Die Legende beginnt zu bröckeln. Ein Zeichen? Ich denke nein. Hoffentlich nein. Bitte nein.
Dann kam der ClanWar. Dramatische Musik. Nebelmaschine. Das Seeding Game Pummelparty. Und natürlich gewinnt Apfelschorle. Er hatte den ersten Pick, direkt vor Tag.Naechter und ErpelHaze. Die Welt erwartete Rage. Allrounder. Monster. Meisterlicher Spieler von Toxikk und Left4Dead2. Solide bis gut in Hearthstone Battlegrounds. Stabil in Wreckfest. Das Drehbuch war fertig geschrieben.
Doch Apfelschorle schaute ins Drehbuch, zündete es an und pickte MooKo.
Stille.
Schock.
Eine einzelne Träne rollt über eine Wange.
Natürlich gewann MooKo Wreckfest, wie von den Sternen vorhergesagt. In Hearthstone Battlegrounds ein solider Top 4 Platz, respektabel, ordentlich, aber ohne Glanz, ohne Feuerwerk, ohne Gänsehaut. Und so geschah das Unvermeidliche. Sein Team verlor den ClanWar.
Das Grinsen verschwand hinter einer grauen Rauchversade, während Apfelschorle seine Vape inhalierte, als wolle er die Existenz selbst verdampfen. Das Grinsen war jetzt eher ein höfliches Andenken an bessere Zeiten. Etwas bedröppelt starteten wir in den letzten Tag. Den Funwar. Der Name war eine Lüge.
Teambuilding. West Hunt. Alles grau. Apfelschorle versagt. Das Universum zuckt mit den Schultern. In Golf konnte er nachlegen, doch auch hier schien die Welt nur noch in fünfzig Schattierungen von Beton zu existieren. Als wäre er farbenblind geworden. Golf lief trotzdem, aber innerlich weinte irgendwo ein kleiner Apfel.
Dann Worms.
Er nahm sich viel vor. Er positionierte. Er schoss. Er craftete. Er fluchte. Er philosophierte. Er litt.
„Ich kriege 87 Luftschläge auf den Kopf, aber meiner ist ausgegraut.“
Seine Würmer starben. Sein Unmut wuchs. Er lief durch den Raum wie ein Prophet des Grauens. Er zitierte Leute zu sich.
„Guck. Ausgegraut.“
Er verlor. Er stand auf. Ging zum Nachbarn. Erklärte erneut, dass seine Luftschläge ausgegraut seien. Danach rief er 110 an. Ruhig. Sachlich. Besorgt. Wieder Erläuterung. Alles ausgegraut.
Er schrieb es auf jedes Kopfkissen der LAN Gemeinschaft.
Ausgegraut.
Das Wort brannte sich in die Seelen der Teilnehmer ein. Es wurde Mythos. Es wurde Religion. Es wurde Trauma.
Folgerichtig lief Speedrunners nicht. Sein Controller war ausgegraut. Sein Schicksal war ausgegraut. Seine Existenz war grau.
Apfelschorle verzweifelte.
Alles.
Grau.
Und irgendwo in der Ferne hörte man leise eine Apfelschorle zischen.

