LAN 2026 Major: Vom Meme zum Matchwinner – DRektalpirat trifft 6x

Das Major Event schreibt seine eigenen Geschichten. Manchmal passieren unerwartete Dinge: Omegas gewinnt CnC gegen Erp, MooKo gewinnt Wreckfest, und dann gibt es diese eine ganz bestimmte Hassliebe…

…Rocket League und DRektalpirat.

Wer seit Jahren im Tastensport-Kosmos unterwegs ist, kennt die Dramaturgie: Während andere Spieler ihre Formkurven, Meta-Phasen und „dieses Jahr probier ich’s wirklich“-Versprechen haben, war DRektalpirats Beziehung zu Rocket League immer stabil — stabil schlecht gelaunt. Ein Naturgesetz. Ein Running Gag. Ein Soundtrack aus Seufzen, Flüchen und dem Geräusch eines Controllers, der innerlich gekündigt hat.

Er war nicht einfach Letzter im ELO-Ranking. Er war der Letzte. Der Schlusspunkt. Der, den man in Tabellen nicht mehr „abgeschlagen“ nennt, sondern „ELO-Booster“ oder „Free MMR“. Und weil Tastensport auch ein Verein ist, der Traditionen pflegt, wurde aus dieser Distanz etwas, das gefährlich nah an einem festen Rollenbild klebte: DRektalpirat, der Rocket-League-Muffel. DRektalpirat, der Ballverweigerer. DRektalpirat, das freundliche Mahnmal, dass 3v3 auch 2v4 sein kann. Unvergessen die 0-13 Klatsche vs MouN.TaiN auf der LAN 2025.

Und damit begann jedes Jahr die gleiche Liturgie.

„Jetzt geht’s wieder los.“
„Bitte nicht Rocket League.“
„Wer ist bei DP im Team?“
Gelächter, Augenrollen, ein paar Sprüche zu viel — und dann die Gewissheit: Irgendwo da draußen fährt Erp seine Kreise wie ein Uhrwerk, und irgendwo hier drinnen sitzt DRektalpirat und wartet darauf, dass dieser Abend endlich vorbei ist.

Aber das Major Event 2026 hatte andere Pläne.

Denn dieses Jahr war der Modus anders: Liga-Modus, fünf Teams, ständiges Durchtauschen nach Skill. Ein System, das eigentlich dafür gemacht ist, Gleichgewicht zu schaffen. Und trotzdem gab es eine Konstante, die sich nicht wegrechnen ließ — wie Gravitation oder Erp’s Alkoholpegel nach der Opening Ceremony:

Erp und DRektalpirat. Zusammen. Den ganzen Abend.

Von Beginn an war klar: Das ist keine Paarung, das ist ein Narrativ. Die Titanen der Extreme, die Pole einer Skala, die so breit ist, dass man drauf eine Autobahn bauen könnte.

Und genau hier passierte der Bruch.

Erp machte nicht das, was man erwartet hätte. Er machte nicht die Show. Er machte nicht das „ich carry euch schon“ und das anschließende resignierte Schulterzucken. Er machte auch nicht das, was viele unbewusst tun, wenn sie mit einem vermeintlich schwächeren Spieler zusammengewürfelt werden: er ignorierte ihn nicht und ließ ihn nicht hinterherfahren wie einen Koffer auf Rollen.

Nein.

Erp nahm ihn an die Hand.

Nicht mit Mitleid. Nicht mit „komm, ich erklär’s dir mal ganz langsam“. Sondern mit einer Idee, die man auf den Majors zu selten sieht: Er baute eine Rolle. Eine Aufgabe. Eine Strategie, die DRektalpirat nicht klein macht, sondern braucht.

Denn Rocket League ist nicht nur Air-Dribbles und Flip-Resets. Rocket League ist auch: Zerstören. Zweikämpfe erzwingen. Druck machen, ohne sich zu verrennen. Nerven. Fehler erzwingen. Fehler machen dürfen. Präsent sein. Und manchmal ist der wichtigste Spieler nicht der, der trifft — sondern der, der dafür sorgt, dass der Gegner nie ruhig atmen kann.

Erp sah das. Und noch wichtiger: Erp sah es in DRektalpirat.

Vielleicht war es Trotz. Vielleicht war es der Wille, endlich diese LAN-Geschichte umzuschreiben. Vielleicht auch nur ein Moment, in dem selbst ein Spitzenreiter merkt: Wenn du jedes Jahr denselben Witz erzählst, bist du irgendwann nicht mehr witzig — nur noch bequem.

Also gab Erp ihm eine Berufung.

Der Pirat wurde zum Anker.

Kein fancy Zeug. Keine „du musst nur schneller fliegen“. Sondern klare Regeln, die funktionieren wie ein verdammt guter Spielplan:

  • Bleib hinter dem Ball.
  • Geh auf den Mann.
  • Nerv den Torwart.
  • Block den Clear.
  • Trau dich.
  • Staub in der Mitte ab.
  • Und wenn du keinen Plan hast: 50/50 alles, was sich bewegt.

Klingt simpel. Ist es auch. Und genau deshalb ist es tödlich effektiv, wenn es jemand endlich konsequent macht.

Und dann kam dieser Moment, den du erst nicht ernst nimmst.

DRektalpirat gewinnt ein Duell.
Dann noch eins.
Dann steht er richtig, wo er sonst nicht mal hingeschaut hätte.
Er fährt nicht mehr „irgendwo“. Er fährt in Zonen.
Er ist nicht mehr Passagier. Er ist Teil des Systems.

Plötzlich war da ein neues Geräusch im Raum: Nicht das Gelächter, sondern dieses kurze, ungläubige „Hä?!“ — gefolgt von Stille. Die gute Stille. Die Stille, wenn alle kurz realisieren, dass sie gerade Zeuge von etwas sind, das eigentlich nicht passieren darf.

Denn während der mittlere Spieler ausgetauscht wurde wie ein taktisches Modul, blieben Erp und DRektalpirat diese eine Konstante — und statt dass die Konstante das Problem war, wurde sie zur Lösung.

DRektalpirat spielte sich in einen Rausch.

Und man kann das ruhig pathetisch sagen, weil LAN-Pathetik ein Grundnahrungsmittel ist: Er hat sich befreit. Nicht von seinem ELO-Rang — Zahlen sind zäh. Aber von dem, was jahrelang schwerer wog als jede Tabelle: dem Stempel.

Aus dem Gespött wurde ein Plot-Twist.

Aus dem „oh nein“ wurde ein „warte mal kurz…“

Und der schönste Teil daran war nicht mal, dass er plötzlich besser war. Sondern dass er sichtbar Spaß hatte. Dass dieses alte, dunkle Rocket-League-Erbe — genervt, abgeschaltet, innerlich schon beim nächsten Spiel — für ein paar Stunden keine Macht mehr hatte.

Da war ein Spieler, der sonst Rocket League gehasst hat, und jetzt auf einmal wollte er. Er wollte den nächsten Kickoff. Er wollte den nächsten Block. Er wollte den nächsten Moment, in dem jemand merkt: „Der Pirat ist da. Nicht nur rektal.“

Natürlich wird er nicht über Nacht zum Champion. Natürlich wird der Abstand im ELO-Ranking nicht einfach verschwinden. Und natürlich gibt es in Tastensport-Kreisen mindestens drei Leute, die schon Pläne schmieden, wie sie das Ganze beim nächsten Event wieder in einen Meme verwandeln.

Aber die Wahrheit ist: Manche Geschichten ändern sich nicht, weil jemand plötzlich perfekt spielt. Sondern weil jemand aufhört, sich als Witz zu sehen.

Die LAN 2026 hat genau das geliefert.

DRektalpirat hat eine Rolle gefunden.
Erp hat nicht carried — er hat entwickelt.
Und der Rest von uns hat gelernt, dass sogar in einem Verein, der seit acht Jahren Trackings, Elo, Rankings und Traditionen hat, noch Platz ist für das Unmögliche:

Dass der Letzte nicht der Letzte bleibt, nur weil es immer so war.

Und wenn das Major Event eins kann, dann ist es genau das: Es schreibt seine eigenen Geschichten.

Manchmal Omegas gegen Erp.
Manchmal MooKo im Wreckfest-Rausch.
Und manchmal… eine Hassliebe, die plötzlich zu Respekt wird.

Für DRektalpirat. Den Anker. Den Piraten. Den Mann, der Rocket League nicht gewinnen musste, um seinen Abend zu gewinnen.

Hier seine schönsten Szenen:

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